IoT-Erkundungsraum
Wir entwerfen gemeinsam vernetzte Gegenstände, mit Karten statt Elektronik. Gearbeitet wird einen Tag lang mit 8 bis 20 Personen. Technische Vorkenntnisse braucht es nicht.
Eckdaten
- 8-20 Personen
- 1 Tag
- keine technischen Vorkenntnisse nötig
- Vernetzte Gegenstände entwerfen
Vernetzte Gegenstände sammeln Daten aus ihrer Umgebung und handeln daraufhin. Wer solche Dinge gestaltet, entscheidet mit, wie Menschen in einer Stadt leben. Der Erkundungsraum öffnet diese Entscheidung für Menschen, die nicht vom Fach sind.
Laien im Raum
Im Smart-City-Diskurs kommen Bewohner*innen meist als geschulte Anwender*innen vor, selten als Gestaltende. Das ist eine Setzung, keine Notwendigkeit. Wer eine Straße täglich benutzt, weiß Dinge über sie, die in keiner Anforderungsliste stehen.
Die Hürde ist real: Ohne Kenntnisse in Elektronik, Netzwerkprotokollen oder Gerätekonfiguration lässt sich schwer mitreden. Deshalb braucht es ein Verfahren, das diese Kenntnisse nicht voraussetzt. Genau das leistet die Kartenmethode. Sie macht die Bausteine vernetzter Geräte greifbar, ohne dass jemand ein Datenblatt lesen muss.
Beteiligung heißt hier nicht, am Ende zu einem fertigen Entwurf befragt zu werden. Sie heißt, am Entwurf mitzuarbeiten, bevor er feststeht.
Tagesablauf
Zu Beginn wählt die Gruppe ein Szenario und eine Persona. Die Persona ist der Archetyp einer Nutzerin, mit Namen, Bedürfnissen und Aufgaben; sie kann auch für eine Gruppe stehen, etwa ältere Menschen oder Bauarbeiter*innen. Ohne Persona beginnt der Prozess nicht. Das ist Absicht: Die Frage, für wen etwas gedacht ist, soll nicht nachgereicht werden.
Danach wählt die Gruppe Alltagsgegenstände und erweitert sie um Sensoren, Dienste, Interaktionen und Reaktionen. So entsteht etwa eine Mülltonne mit Neigungssensor, die meldet, wenn sie umkippt, und mit einem Luftsensor, der bei Hitze anschlägt. Weitere Karten verbinden mehrere Geräte zu einem Verhalten.
Zum Schluss stellen Kriterien-Karten das Gedachte wieder in Frage. Die Gruppe betrachtet die eigene Idee aus einer fremden Perspektive und überarbeitet sie. Jedes Konzept wird auf einem Drehbuch skizziert und in zwei Minuten vorgestellt.
Der Zufall in den Karten ist Teil der Methode. Er hält den Raum offen und verhindert, dass die Gruppe sofort zu der Idee greift, die sie ohnehin schon hatte.
Ergebnis
Der Tag hat zwei Erträge, und sie unterscheiden sich.
Der eine ist Aneignung. Die Gruppe versteht danach, wie vernetzte Geräte funktionieren, was sie erfassen und welche Fragen das aufwirft. Dieses Verständnis entsteht gemeinsam, nicht im Vortrag. Es ist unabhängig davon, ob je etwas gebaut wird.
Der andere ist Projektentwicklung. Aus dem Tag gehen mehrere ausgearbeitete Ideen hervor. Sollen daraus Anwendungen entstehen, folgt eine zweite Phase: Aus dem Papierkonzept wird ein Prototyp mit Sensoren und Hardware, an dem sich prüfen lässt, ob die Idee trägt.
Klären Sie vorher, welcher der beiden Erträge zählt. Beide sind legitim, aber sie führen zu unterschiedlichen Verabredungen darüber, was nach dem Tag passiert.
Voraussetzungen
Technische Vorkenntnisse braucht niemand. Karten und Spielbrett bringe ich mit.
Was die Gruppe mitbringen sollte, ist Ortskenntnis: Wer eine Straße, ein Gebäude oder einen Arbeitsablauf täglich benutzt, hat für diesen Tag mehr beizutragen als jemand, der die Technik kennt.
Die Gruppe umfasst acht bis zwanzig Personen. Mit weniger als acht werden die Kleingruppen zu dünn. Bei mehr als zwanzig lassen sich die Konzepte an einem Tag nicht mehr vorstellen und diskutieren.
Downloads
Karten und Spielbrett stehen unter CC BY-SA 4.0. Sie können sie herunterladen, ausdrucken und ohne mich damit arbeiten. Die Kartenhintergründe sind für den beidseitigen Druck gedacht.
Deutsch
Englisch
Herkunft der Methode
Das Tiles IoT Toolkit wurde an der NTNU Trondheim entwickelt und steht unter CC BY-SA 4.0. Es besteht aus 153 Karten in neun Decks und einem Spielbrett. Jedes Deck enthält eine leere Karte, damit die Gruppe eigene Sensoren, Dinge oder Personas ergänzen kann.
Ich bringe ein angepasstes Deck mit, im deutschsprachigen Raum auf Deutsch, und stimme die Karten auf die jeweilige Gruppe ab. Die Standardkarten lassen sich ebenso einsetzen.
Nicht geeignet für
Das Format passt nicht, wo Fachwissen und eine Vorstellung vom Ergebnis schon vorhanden sind. Wenn feststeht, was gebaut werden soll, ist Ideenfindung ein Umweg.
Zu viel Struktur schadet ebenso wie zu wenig. Manche Gruppen empfinden die Einschränkungen der Karten als hinderlich, andere wünschen sich mehr davon. Das lässt sich anpassen, aber nicht vorhersagen.
Und die Methode arbeitet unter Zeitdruck. Wer damit schlecht zurechtkommt, bringt in diesem Format weniger ein als sonst.
Dazu passt
Diesen Erkundungsraum anfragen
Den verbindlichen Rahmen klären wir in einem kurzen Vorgespräch.